Godzilla 1954

Destruktion

Der Mensch verfügt über Vernunft und Vorstellungsvermögen, und diese Eigenschaften machen es ihm unmöglich, eine rein passive Rolle in der Welt einzunehmen. Indem er selbst die Rolle des Schöpfers einnimmt, kann er seine Zufälligkeit und das kreatürliche Dasein überwinden. Wer dem von ihm Geschaffenen mit Fürsorge und Liebe gegenübertritt, kann sich und seine Umwelt auf diese Weise transzendieren.

Auch in der Zerstörung lässt sich das menschliche Selbst transzendieren, doch kann das Zerstören stets nur die mindere Alternative zum Erschaffen sein für Menschen, die zu einer produktiven Transzendierung ihres Selbst nicht fähig waren. Nur das kreative Schaffen kann zum Glück führen, während Destruktivität Leid in sich birgt, vor allem für den Zerstörer selbst.
– Erich Fromm [->wiki]

Tatsächlich leide ich im Moment. Einerseits an einer Zerrung in der Schulter und leichtem Muskelkater, andererseits an einem überschwellendem Glücksgefühl. Doch ich denke kaum dass dies gemeint war von unserem tierliebenden Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologen. Und doch: Ich liebe die Destruktion und empfinde es als äußerst schade das man sie stets negativ konnotiert.

Wie ich auf diese Gedanken in diesem Moment komme – und wieso die Muskelkatze? Muharhar…

Nach mehreren auszerrenden Tagen auf zwei Messen, die dieses Jahr auf zwei aufeinander folgende Wochenenden fielen, durfte ich heute gleich wieder ran und meine schmerzenden Glieder in das nun fast leere Lager unseres Verlages schleppen und dort die Reste aus Jahren von Veranstaltungen und Messen rauszuschaffen. Doch dann kam der beste Teil: Die Zerstörung!

Nachdem das alte Lager in einem Schuppen untergebracht war (keine Sorge, weder Spiele noch unser guter Met lagerten je dort), bestanden die Regale aus gutem, massivem Holz, meisterlich zusammengebastelt und doch so schnell mit – wie ich von mir selbst einmal behaupten darf – grazilsten Axtschlägen in Einzelteile zerlegt! Und wie wir gelacht haben, als ich mit breitestem Grinsen die schwere Holzspalterkopfklingendings-Axt mit geübter Rückhand nur knapp an meinem Knien vorbei von unten mit sanfter Gewalt eindringlichst in die Regalböden fuhren ließ, links und rechts Holzsplitter fliegend, einzig begleitet durch das Schreien der Zimmermannsnägel, die ich so aus langjährigen Banden trennte. Dann kamen die beindicken Träger dran: Schnell und schneller werdend, leicht geifernd, schlug ich mit der flachen Seite hart auf deren sanfte Mitte und wie sie schrien, diese Nägel, einer länger als der nächste. Dann eine kurze Pause, die Axt zur Seite und mit ganzem Körpereinsatz rang ich mit diesem Bollwerk und entriß das Holzgebälk mit bloßen Klauen aus den Wänden. Muharharhar…

Nunja, jetzt ist das Lager leer, ich befriedigt und der Zerstörung ein weiteres Mal gehuldigt. Und nachdem ich meiner puren Männlichkeit gehuldigt habe, kann ich ja jetzt wieder endlich meine Fingernägel feilen, seid der Messe sehen die aus, furchtbar…