Ein Requiem der Individualität

Als Designer versucht man stets einen Finger am Puls der Zeit zu haben, aktuelle Trends zu verfolgen und im Idealfall neue zu kreiren. Man hält seine Augen und Ohren in alle Richtugnen offen, schaut was Jugendkulturen aktuell bewegt, was unter der Oberfläche von neuen Bewegungen brodelt und hofft dort etwas zu finden, was das neue Ding werden könnte. Etwas das bewegt, erstaunt und sich dann schließlich gut verkaufen und für eigene Projekte nutzen lässt, ergo sich verkaufen lässt.

Und wenn es ein Zeitphänomen gibt, das sich in den 10er-Jahren abzeichnet, so ist dies für mich eines: Individualität – bis zum Erbrechen. Jeder Einzelne strebt danach sich möglichst individuell zu geben, aufzufallen und besonders zu sein, so sehr das all die bunten Gestalten zu einer grauen Masse verschmelzen. Wir leben in einer pythonesken Welt: Ja, wir sind alle Individuen und Ja, wir sind alle völlig verschieden (Ich nicht!). Wie in “Das Leben des Brian” fällt eigentlich nur nur der auf, der eben nicht darauf besteht so Einzigartik zu sein.

Energie- und Pharmakonzerne branden sich genauso Grün wie der Bio-Veggie-Markt um die Ecke, große Verlagshäuser gestalten ihre Bestseller wie die neueste Ausgabe eines Eigenverlags den vielleicht 3 Leute kennen, einer davon eben der Designer bei Random House.

Kleiner Einschub am Rande
-> http://www.goethe.de/kue/des/prj/des/dth/de9450381.htm

Professoren kleiden sich wie Teenager, während diese die Klamotten ihrer Großeltern auftragen. Wir trinken Club-Mate, Fritz-Cola oder Bionade, nur um nicht wie alle anderen nur Coka Cola zu trinken. Alles verwäscht zu einer gleichartigen Menge, wir alle wollen nicht zu der Masse gehören, in eine Klasse aller Klassen, die sich nicht selbst als Element enthalten und stoßen damit auf ein mathematisches Paradoxon.

Es geht sogar schon soweit das die Gala das Cover des Monats gewinnt, mit einer Geschichte die so eigentlich eher im Spiegel zu erwarten war.

Es wird wieder Zeit das McDonalds aufhört ein InCafe zu sein und wieder das ist was es ist: Ein Burgerschuppen in quietschgelb und Plastik, wie wir ihn 3 Uhr morgens auf dem Weg zur letzten S-Bahn lieben.