Abend der miesen Grafiken?

Sonntag, 10 Uhr morgens im stillen Örtchen Grafing:

Langsam entkleidet sich ein junger Mann in seinem Zimmer und lässt bei einer “Guten-Abend”-Kippe noch einmal eben jenen Revue passieren: Es war ein Abend mit viel Spaß, tollen Spielen und echt miesen Grafiken.

Doch fangen wir einmal da an, wo man eine Geschichte beginnen sollte: bei dem jungen Mädl mit dem tiefen Ausschnitt und dem kurzen Rock. Und einer heißen Umgebung, nacktem Fleisch und zwei ausgehungerten Kerlen. Wie ihr euch schon denken konntet trafen sich die typischen drei verdächtigen mal wieder zum Grillen, es ist ja schließlich Sommer und das macht man da, so wurde mir berichtet.

Also wurde das nackte Fleisch auf den heißen Grill geworfen und während K ein Stockbrot Rezept ein wenig variierte, wurde schonmal ein wenig aus der mitgebrachten Sammlung angezockt.

Den Anfang machte HIVE Carbon von Gen42 Games (UK): ein schnelles und dennoch sehr anspruchvolles Spiel für 2 Spieler, eine Art Spielbrettloses Schach. Wunderschön massiv gearbeitete 6-Eckige Spielsteine in schwarz-weißer “Carbon” Optik mit unterschiedlichen Zugeigenschaften versuchen gegenseitig die “Königin” des gegnerischen Hives einzukreisen um zu gewinnen. Die Figuren sind durch verschiedene schön illustrierte Insekten dargestellt.

Als dann das Brot nach massiven Eingriffen im Ofen, anstatt auf Stöcken, landete wurde das erste Bier geöffnet um gleich angemessen mit Zum blauen Drachen von Pegasus Spiele geleert zu werden. Die Illustrationen der Karten passen generell ins Fantasy Setting des Spieles und liefern einen guten Eindruck der einzelnen Rollen und Karten, wenn auch zum Beispiel die verwendeten Münzen sehr zu wünschen übrig lassen. Auch ist das Design ein wenig angestaubt und wirkt daher sehr “klassisch”. Dennoch spielt es sich stets flott und witzig und sorgt bei gleichzeitigem realen Drinkgenuß für einen feucht-fröhlichen Einstieg. Schade das die Zum Roten Drachen, der eigenständige erste Teil nirgendwo mehr regulär erhältlich ist und man so kaum in den Genuß einer größeren Gruppe an Spielern kommt.

Nachdem nun das Wetter und die Dunkelheit unsere Protagonisten nach drinnen trieben wurde erst einmal der erste Hunger gestillt und Killer Karnickel von Pegasus Spiele kam auf den Tisch. Nachdem das Spiel noch Original verpackt war und der volle Magen und die Nachwirkungen von Zum blauen Drachen ihr übriges hinzutrugen, war die erste Partie vor Allem durch nicht wirklich gut gemischten Karten bestimmt, was “Karnickel füttern” zum Instant-Kill erhob. So zog sich dir Runde des gegenseitigen Karnickel killens auch etwas träge dahin und wir hatten viel Zeit uns über die, nunja, Grafiken und Illustrationen ausführlicher Gedanken zu machen. Die Grundideen und der bissige Humor trafen genau unseren Geschmack, die Umsetzung grafischer Natur jedoch stach uns allen ziemlich schlecht ins Auge.

Also schnell zum nächsten, diesmal wieder ein Augenschmaus: Spank the Monkey von Gigantoskop (*heimlicher Fanboy bin, meine absoluten Lieblingsschweden*). Schrott aufeinanderhäufen um einen ausgebrochenen Affen zu jagen und sich gleichzeitig gegenseitig den Schrott um die Ohren hauen. Und dann noch sogenial gezeichnete Karten in einer tollen Box (inkl. Erweiterung Monkey Business) mit Unterschrift des Grafikers (*yeay*). Parallel dazu wurden selbstgebackenes Brot, Feta und Speck gereicht.

Um noch ein wenig mehr Augenschmaus zu haben gingen wir dann über zu Chaos Marauders von Fantasy Flight Games, die ja nicht ohne Grund für gutes Spieldesign bekannt sind. Wenn auch einige der Karten nicht so geil sind wie sie sein könnten. Aber das sei mal als reine Geschmacksfrage dahingestellt und schöner als Ogallala (zugegebenermaßen von ’75) allemal, wenn auch viele der altn Version von Chaos Marauders von ’87 nachtrauern, deren Grafiken definitiv einen sehr eigenen Charme haben.

Den Abschluß der Spielerunde machte das altvertraute Wizard in der Jubiläumsedition von Amigo. Eine wunderschöne Metalldose mit tollen Münzen von denen Larper zu diesen Preisen nur träumen können und trotz aller Neuheiten die gleichen, vertrauten Spielkarten: 60 Charakterkarten und eine hässlicher als die nächste. Mannsweiber die Riesinnen oder Elfen darstellen sollen und eher an Trolle und Orks aus den 80ern erinnern. Ich verstehe das man Fans nicht verschrecken will, aber eine Frischenzellenkur nach 15 Jahren würde den Karten echt gut tun. Keine massiven Änderungen wie zum Teil bei Sammelkartenspielene erlebt, die den gesamten Charakter der Karten änderte, sondern einfach nur ein jüngerer und besserer Illustrator der sich alle Karten nochmal vornehmen würde. Oder Franz Vohwinkel, der Original-Illustrator, zeigt was er doch schon an so vielen anderen Stellen immer wieder zeigt: wie gut er doch eigentlich illustrieren kann und nimmt sich selbst Wizard nochmal zur Brust.

Vielleicht kommt daher auch der Eingangs schon erwähnte “Abend der miesen Grafiken”, da Wizard und Killer Karnickel einem doch mehr im grafikliebendem Gedächtnis verbleiben, als einem Lieb ist.

Nach einem abschließenden Tim Burton Film: Beetlejuice und einer Doppelfolge Cosmo und Wanda – wenn Elfen helfen, bei der frisch gebackene Brezen mit Magarine gereicht wurden, machte sich die Gruppe inklusive mir dann auf den Weg ins jeweilige Bett und wenn alles gut läuft dürften wir bald unsere eigene Hausversion in geilerer Optik in anderem Setting von einem Spiel haben, mehr wird und soll auch nicht verraten werden.